вторник, 13 августа 2013 г.

OLYMPIADE IN SOTSCHI: BOYKOTTIEREN ODER TEILNEHMEN?


Stephen Fry hat vor kurzem dazu aufgerufen, es nicht dazu kommen zu lassen, dass die russische Staatsmacht die Olympischen Winterspiele 2014 ausnutzt, um den Schein der Zustimmung der zivilisierten Welt mit einer zum Wiederaufleben des Faschismus führenden Politik zu erschaffen. Dies ist ein absolut richtiger und rechtzeitiger Aufruf. Gerade mitten in einem Skandal, wenn die Aufrufe zum Boykott der Olympischen Spiele in Sotschi wegen gröbster Menschenrechtsverletzungen in der Welt an Popularität gewinnen, wurde in der Hauptstadt Russlands ein echtes Konzentrationslager erstellt. So eine "symmetrische Antwort." Ist das denn nicht eine offensichtliche Bestätigung davon, wie sehr Fry recht hat?

Mein Land ist jetzt ganz nah an den Faschismus herangetreten: mithilfe eines politischen Systems, basiert auf der primitiven fremdenfeindlichen Ideologie und auf den Repressionen gegen alle Nonkonformisten. Daher sind die Analogien zwischen Sotschi 2014 und Berlin 1936 angemessener denn je. Ohne die Idee des Boykotts zu unterstützen, halte ich es trotzdem für sehr nützlich, darüber zu diskutieren. Meiner Meinung nach haben wir alle immer noch die Möglichkeit, uns darüber gründlich Gedanken zu machen und zu versuchen, aus dieser rundum unschönen Geschichte zu lernen.

In der ersten Linie müssten sich die russischen Behörden Gedanken darüber machen. Es ist kein Geheimnis, dass der Zweck des globalen Projektes „Olympische Spiele in Sotschi“ die Förderung des Bildes von Russland als eines der Zentren der Weltpolitik und -kultur war und immer noch bleibt. Parallel dazu realisiert die russische Leitung auf der internationalen Arena ein weiteres Projekt mit den gleichen Zielen – „traditionelle Werte sind Russlands soft power“. Der um die Olympiade eskalierende Skandal zeigt, wie unvereinbar diese beiden Projekte sind.

Entweder empfangen wir bei uns als eines der Weltzentren die Olympiade und andere renommierte Veranstaltungen, sitzen in hohen internationalen Organisationen und versuchen, die „Agenda“ der Welt zu beeinflussen. Oder wir haben unseren „eigenen Stolz“, und wir leben nach unseren besonderen „traditionellen Werten“ und nach den Gesetzen, die nur wir begreifen (und selbst dann – nicht alle und nicht immer). In diesem Fall werden uns andere Nationen nicht respektieren (man kann einen nicht respektieren, den man nicht versteht), und darüber hinaus werden sie auf uns nicht neidisch sein. Im besten Falle werden sie uns bloß ertragen müssen. Von einer führenden Position in der Welt kann man sich dann ruhig verabschieden. Gerade das wird unserem Land von Politikern und Meinungsführern in den Debatten über den Boykott der Olympiade in Sotschi zu verstehen gegeben.

Und sagen Sie nicht, dass die Olympischen Spiele nicht ein Ort für eine politische Debatte über Menschenrechte sind. Dies ist nicht so. Gemäß der Olympischen Charta: "Ziel des Olympismus ist es, den Sport in den Dienst der harmonischen Entwicklung des Menschen zu stellen, um eine friedliche Gesellschaft zu fördern, die der Wahrung der Menschenwürde verpflichtet ist“. Wenn im Gastgeberland der Olympischen Spiele eine Politik der Erniedrigung der Menschenwürde und der Trennung der Menschen nach ihrem „sozialen Wert“ geführt wird, ist es die Pflicht der Teilnehmer der Olympiade, darüber zu reden.

Westliche Athleten, Schriftsteller und bloß gute Menschen, die zum Boykott aufrufen, sollten darüber mal nachdenken, inwiefern die Mittel den angestrebten Zielen entsprechen. Ein Boykott ist eine seltsame Idee. Das ähnelt einer Flucht von einem Problem. Ein Boykott wird ausländische Athleten und Besucher schützen, die nicht kommen werden, aber er wird auf die Bedrohung seitens des Menschenrechte verachtenden Staates gegen seine eigenen Bürger und gegen die ganze Welt gar keinen Einfluss nehmen. Vor dieser Bedrohung fliehen oder dagegen von Angesicht zu Angesicht kämpfen – so stellt sich die Frage.

Eine Olympiade ist tatsächlich eine großartige Plattform, von der aus man seine Message in die ganze Welt schicken kann. Und hier ist die Frage für die Boykott-Unterstützer: Ist es denn nicht dumm, dieses Podium in den ungeteilten Besitz gerade der Menschen freiwillig abzugeben, gegen die Sie kämpfen? Sie werden dies unbedingt ausnutzen, um ihre monströsen Ideen zu verbreiten. Und die Welt wird nur ihnen zuhören. Weil Sie bei der Olympiade nicht dabei sein werden. Also vielleicht lohnt es sich dann, es anders zu versuchen? Vielleicht sollten wir es versuchen, dieses wichtige Olympische Podium für diejenigen zur Verfügung zu stellen, deren Stimme heutzutage in Russland nicht zu hören ist? Sie werden es nur machen können, wenn Sie in Sotschi einreisen.

Die Zivil-Aktivisten in Russland, in der Hoffnung, dass ein Boykott der Olympiade die interne Politik der Staatsmacht zu ändern verhilft, sollten diese Hoffnung aufgeben. Die Angst, die in die Vorbereitung der Olympiade investierten Gelder zu verlieren, wird niemanden ernüchtern. Wie man es schön sagt: „Alle Einlagen sind gut versichert“. Durch langjährige Verträge mit riesigen Vertragsstrafen. Und was nicht versichert ist, ist wohl schon gestohlen.

Der Boykott, wenn er stattfindet, wird ein moralischer Sieg gerade für diejenigen, die Russland in ein geschlossenes „orthodoxes Kalifat“ endgültig umgestalten wollen. Er wird ein Argument zur Bestätigung ihrer These über die feindliche Umgebung, von der man nichts Gutes erwarten kann. Kürzlich schrieb eine Gruppe von Künstlern und Veranstaltern an Putin über die Bedrohung davon, dass die russische Kultur isoliert bleiben mag. Eifrige Verfechter der „traditionellen Werten“ haben bereits strengere Visa-Regelungen für ausländische Künstler errungen. Vielleicht soll man ihnen doch nicht dabei helfen, auf Russland einen neuen „Eisernen Vorhang“ fallen zu lassen?

Ja, wir dürfen es nicht zulassen, dass die Olympischen Spiele in Sotschi ausgenutzt werden, um die Illusion vom Wohlstand zu erschaffen und die öffentliche Meinung in Russland und der Welt von der stattfinden Faschisierung im Land abzulenken. Aber dafür sollte man nicht die Spiele boykottieren; dafür ist es notwendig, daran wirklich aktiv teilzunehmen. Und das gilt nicht nur für Sportler.

http://echo.msk.ru/blog/igor_p/1133858-echo/

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